Das jüdische Wohlfahrtszentrum in Neuehrenfeld
Dienstag, 30. September 2008 12:03
Wer in Neuehrenfeld unterwegs ist, sollte unbedingt einen Blick auf das jüdische Wohlfahrtszentrum in der Ottostraße 85 werfen. Nicht nur ist der Gebäudekomplex ein interessantes und gelungenes Beispiel für moderne Architektur, er kann auch auf eine wechselhafte Geschichte zurückblicken.
Diese Geschichte beginnt eigentlich schon in der Römerzeit, denn in Köln gab es die älteste jüdische Gemeinde Deutschlands. Das heutige Wohlfahrtszentrum hat seinen Ursprung in der Kölner Südstadt. Dort wurde 1869 in der Silvanstraße das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache eröffnet. Es stand armen Menschen aller Konfessionen offen.
Als das Gebäude zu klein wurde, kaufte das Kuratorium im Jahr 1902 ein gut 21.000 Quadratmeter großes Gelände zwischen der Nußbaumerstraße und der Ottostraße in Neuehrenfeld. Hier wurde ein ganzer Komplex gebaut, darunter ein neues Haus für Alte und Kranke, ein Krankenhaus, ein Schwesternheim, eine Poliklinik und eine Synagoge. 1908 wurden die Gebäude im einfachen Barockstil fertiggestellt.
Die Klinik genoss großes Ansehen und war nicht selten zu 80 % mit nicht-jüdischen Patienten belegt.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden dem Krankenhaus nur noch selten Patienten anderer Konfessionen zugewiesen. Neben den geringen Einnahmen durch die wenigen Patienten machte dem Personal auch die Beschaffung koscherer Nahrungsmitteln zu schaffen – sie mussten aus dem Ausland importiert werden.
1942 wurden große Teile Kölns von schweren Luftangriffen zerstört. Da auch das städtische Krankenhaus den Bomben zum Opfer fiel, beschlagnahmten die Behörden das israelitische Krankenhaus. Angestellte, Patienten und Bewohner wurden umgesiedelt. Viele starben durch die schlechtere Versorgung, andere wurden noch im selben Jahr nach Theresienstadt deportiert, wo viele im Konzentrationslager umkamen.
Nach dem Krieg, im Jahr 1945, wurden die übrig gebliebenen Gebäude der jüdischen Gemeinde zurückgegeben. Einige Gebäudeteile wurden wieder instandgesetzt und als Betraum, Büros für die Verwaltung und Asyl für jüdische Flüchtlinge genutzt. Nach dem Wiederaufbau der Synagoge in der Roonstraße lohnte sich ein zweites Gemeindezentrum nicht mehr, weil die Gemeinde zu klein war.
Thema: Architektur, Geschichte | Kommentare (0) | Autor: Petra








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