Marillion (Los Trios Marillos) im Alten Wartesaal am 03.10.2008

Gestern spielte die „abgespeckte Version“ von Marillion im Alten Wartesaal: Steve Hogarth (Vocals, Keyboards, Percussion und *hust* Drumcomputer), Steve Rothery (Guitar) und Pete Trewavas (Bass, Guitar), genannt Los Trios Marillos.

Tickets zur Los Trios Marillos Show im Alten Wartesaal
Tickets zur Los Trios Marillos Show im Alten Wartesaal

Meine erste Überraschung war der Alte Wartesaal selbst. Ich war zuletzt vor dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes dort. Damals musste man ein Stückchen in die Unterführungskatakomben zwischen Rheinufer und Bahnhof gehen, und wer sich in Köln auskennt, weiß, dass die wirklich dunkel, hässlich und verkehrslaut sind. Nun ist der Alte Wartesaal aber freigelegt, hat hübsche Tische und Stühle draußen stehen und ist auch noch durch die Ausläufer der neuen Treppe zum Dom akustisch vor dem Straßenlärm geschützt.

Nun zum Gig: Das Konzert begann gegen 20:20 Uhr mit Steve Hogarth, der sich am Keyboard niederließ und zwei Songs zum Besten gab: Hollow Man und Cover My Eyes. Der Vorteil dieser Show, die einen Monat vor der eigentlichen Tour stattfand, ist, dass Hogarth noch perfekt bei Stimme ist – das ist während der Tour nicht gewährleistet.

Anschließend betrat Pete Trewavas die Bühne; er ist sicher einer der besten Bassisten der Rockmusik und – anders als einige Kollegen – darf in der Band auch mal zeigen, was er drauf hat. Gemeinsam spielten er und Steve Hogarth eine völlig abgefahrene Version von The Bell in the Sea. Schließlich betrat auch Steve Rothery die Bühne und die drei spielten ein Set von rund zweieinhalb Stunden.

Marillion/Los Trios Marillos im Alten Wartesaal in Köln am 02.10.2008
Marillion/Los Trios Marillos im Alten Wartesaal in Köln am 02.10.2008

Die Atmosphäre des Konzerts war gewohnt happy happy – mein Freund sagt, alle Fans wirken wie Kinder zu Weihnachten – und ebenso entspannt und gut gelaunt spielt die Band. Offensichtlich war der Auftritt nicht bis ins Detail durchgeplant, hie und da ging etwas schief, was aber eher zur allgemeinen Heiterkeit beitrug, denn störend wirkte.

Es stellt sich die Frage, warum überhaupt irgendjemand einen Drummer in der Band braucht, wenn es doch Steve Hogarth mit einem Drumcomputer gibt! Fast jedes dritte Mal gelingt es ihm schließlich, nicht nur den richtigen Drumpart zu finden, sondern ihn auch noch zur richtigen Zeit zu starten! ;-)

Viele der eher songorientierten Varianten der Marillion-Stücke, die in dieser Besetzung gespielt werden, können durchaus mit den ausgefeilteren Studioversionen mithalten: Sie sind auf ihre eigene Art ebenso spannend und wirken in der live-Atmosphäre besonders gut.

Mir persönlich haben besonders gefallen: die schon erwähnte Bass-Version von The Bell in the Sea, You’re Gone, das sowieso in weiten Teilen ohne ein echtes Schlagzeug auskommt und gestern sehr kraftvoll und emotional rüberkam, This Train is My Life vom neuen Album, das live viel lebendiger wirkte, Enlightened und Go! vom marillion.com-Album, die herzzerreißende Version von Runaway Girl und Man of a Thousand Faces, bei dem Steve Hogarth und das Publikum durch Klatschen die Drums ersetzten.

Erwähnenswert ist außerdem Easter, bei dem klassischerweise das Publikum allein die Strophen singt. Gestern durften wir den Refrain singen und zum ersten Mal in meiner langen Karriere als Marillion-Fan fand ich den Publikums-Gesang richtig schön und feierlich, anders als das Grölen, das sonst zu hören ist. Nachdem das so gut geklappt hatte, ging die Band auf den Publikumswunsch Sugar Mice ein und Steve Hogarth begnügte sich mit dem Keyboard-Spiel und gab dem Publikum nur den Einsatz zum Selber-Singen.

Marillion Tour 2008/2009
Marillion Tour 2008/2009

Zwei weitere Publikumswünsche wurden erfüllt. Einer war A Collection (eine B-Seite aus der Holidays in Eden-Zeit), bei dem sich die drei Marillos erst mühsam die Akkorde zusammensuchen mussten und Steve Hogarth den Refrain leicht anders sang, weil er sonst nicht zu Rotherys Gitarrenpart gepasst hätte. Der andere war das vehement eingeforderte Woke Up, ebenfalls vom neuen Album und damit der andere Song, der aus Happiness is the Road gespielt wurde.

Kritikpunkte? Wenige… Meinem Freund gefiel This is the 21st Century gar nicht und ich habe es auch schon besser gehört. Steve Rothery spielt manchmal für ihn dermaßen typische Gitarrenparts, dass er sich fast wie eine Persiflage seiner selbst anhört. Allerdings erhält er genau denn den größten Beifall. Und der Sound war sehr schlecht – ich bin dankbar dafür, dass die Songs eher ruhig waren. Eine etwas lautere E-Gitarre war nur als Matschgequietsche zu hören. Sonst habe ich nichts zu meckern.

Dieser Gig war ein voller Erfolg und ein schöner Kontrast zu dem am 26. November folgenden Konzert in kompletter Besetzung, bei dem sicher mehr Songs aus dem neuen Album zu hören sein werden sowie natürlich die instrumental ausgespielten Versionen der oft stark gekürzten Songs dieser Show.

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