Origami und das Herz der Erleuchtung im Museum für Ostasiatische Kunst

Blick auf das Museumscafé vom Aachener Weiher aus
Blick auf das Museumscafé vom Aachener Weiher aus

Das Museum für Ostasiatische Kunst ist zweifelsohne mein Lieblingsmuseum in Köln. Ich liebe die feinen Linien, die phantasievollen Drachen und Löwen, den kraftvollen oder ganz zarten Pinselschwung und die unfassbar schönen Stoffe aus China, Japan und Korea.

Vor einigen Monaten habe ich an einer Führung teilgenommen – da ging es um Textilien – und neulich habe ich entdeckt, dass es einen Origami-Kurs geben wird. Da ich schon öfter mal Origami in Büchern angeschaut habe und beim Anblick der Erklärungen aber gleich wusste: „Das wird nichts!“ ergriff ich diesmal die Chance. 28 EUR plus 5 EUR Materialkosten sollte der zweitägige Kurs (insgesamt 5 Stunden) kosten.

Zu meiner Überraschung machte die Kursleiterin dann aber auch noch kleine Führungen durch das Museum. Am ersten Tag erzählte sie uns etwas über den Museumsgründer Adolf Fischer, der vor genau 100 Jahren das Museum eröffnet hatte.

Adolf Fischer war Sohn eines Wiener Industriellen und versuchte sich erst einmal als Schauspieler, doch eine Theatertournee setzte seiner Gesundheit zu, so dass er diesen Beruf aufgab. In Italien studierte er die dortige Kunst, reiste zweimal nach Ägypten und 1892 nach Japan – kurz nachdem das Land seine Grenzen für Ausländer geöffnet hatte. Dort kaufte er Unmengen von Kunstgegenständen ein, die er dann in einer großen Wohnung in Berlin ausstellte.

1897 heiratete er eine Lehrerin, Frieda, die sich alsbald ebenso für ostasiatische Kunst interessierte wie ihr Mann und ihn auf seinen Reisen begleitete. Die Fischers schenkten ihre umfangreiche Sammlung schließlich dem Preussischen Staat, de facto dem  Völkerkundemuseum in Berlin.

Blick auf den Innenhof des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln
Blick auf den Innenhof des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln

Anfang des 20. Jahrhunderts plante Adolf Fischer ein eigenes Museum für asiatische Kunst. Verhandlungen mit der Stadt Kiel waren schon weit fortgeschritten und die Fischers hatten weitere Reisen unternommen, um für den Bestand des Museums einzukaufen. Doch dann zerschlug sich der Plan – Kiel war nicht in der Lage, genügend Mittel zur Verfügung zu stellen. Am 21. Juni 1909 wurde der Vertrag für das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln unterzeichnet.

Das Museum wurde im neoklassizistischem Stil nahe des heutigen Hansarings gebaut, im Inneren jedoch war es sehr schlicht gehalten, damit die Ausstellungsstücke in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken konnten. Heute erinnert der Name „Adolf-Fischer-Straße“ an den Museumsgründer.

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Das 1977 nach den Plänen des japanischen Architekten Kunio Maekawa (1905-1986) errichtete neue Museum zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Nachkriegszeit in Köln. Die schöne Lage am Aachener Weiher und das sehr gute Museumscafé machen das Museum zu einem tollen Ausflugsziel.

Ausführlicher wird die Geschichte des Museums hier beschrieben:
http://www.museenkoeln.de/ausstellungen/mok_0910_100Jahre/100Jahre.asp

Das (und mehr!) haben wir gefaltet
Das (und mehr!) haben wir gefaltet

Nach der kurzen Führung fingen wir im Raum „Drachenwerkstatt“ mit dem Falten des Papiers an. Sternchen, Nikoläuse, ein Umschlag und ein Engel standen auf dem Programm. Letzterer wollte allerdings niemandem so richtig gefallen – im halbfertigen Zustand sah er aus wie Batman, später dann eher wie ein Transformer fand ich.

Am nächsten Tag zeigte uns die Kursleiterin einen Teil der Ausstellung „Das Herz der Erleuchtung“. Ende des 6. Jahrhunderts glaubten einige Buddhisten daran, dass das Ende der Welt bevorstand. Auf sieben Bergen rund um die Stadt Zoucheng meißelten die Gläubigen Texte aus den heiligen Schriften des Buddhismus in den Fels, um diese Weisheit auch über eine Apokalypse hinaus retten zu können. Jetzt, über 1500 Jahre später, wurden diese Felswände zum ersten Mal ausführlich dokumentiert und die Texte, die weitgehend gut erhalten sind, mit Abreibungen kopiert. Diese Abreibungen und Fotos der Originalschauplätze bilden einen Teil der Sonderausstellung.

Anschließend lernten wir in der Drachenwerkstatt, aus viereckigem Papier ein gleichschenkliges Dreieck zu machen – ganz ohne Zirkel und Lineal (aber mit ähnlicher Technik!). Daraus wurde eine Aufbewahrung für ein kleines Geldgeschenk oder andere flache Gegenstände. Schließlich kamen wir zum Meisterstück: ein dreidimensionales Objekt. Dazu mussten sechs Papiere zu einer recht komplexen Sternform gefaltet werden. Da wurde gefaltet, geraschelt und geseufzt, was das Zeug hält – „ist ja wie am Fließband hier!“ Dafür ist das fertige Teil wirklich sehr hübsch geworden.

Ich kann sowohl die Kurse als auch die Führungen im Museum sehr empfehlen – man kann Fragen stellen, die Atmosphäre ist locker und Spaß macht alles sowieso!

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