Remembering Forward – Ausstellung über Kunst der australischen Aborigines im Museum Ludwig

Im Museum Ludwig gibt es für meinen Geschmack ständig interessante Ausstellungen. Derzeit sind zu sehen:

  • Russische Avantgarde / Projektreihe Museum Ludwig, Köln
  • Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China
  • La Bohème. Die Inszenierung des Künstlers in Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts
  • Suchan Kinoshita. In 10 Minuten
  • Remembering Forward. Malerei der australischen Aborigines seit 1960
Dorothy Napangardi, Remembering Forward, Museum Ludwig
Dorothy Napangardi (geb. frühe 1950er, Warlpiri, Northern Territory) - Salt on Mina Mina - 2002 - 122,24 x 200,66 cm - Acryl auf Leinwand / acrylic on linen LeWitt Collection, Chester, CT - © Dorothy Napangardi, VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Die Ausstellung der Malerei neun australischer Künstler wird im Museum Ludwig noch bis zum 20.03.2011 zu sehen sein.

Über die Aborigines weiß ich recht wenig; ihre Kultur hängt sehr mit dem Land zusammen, in dem sie früher lebten. Ganz grob und wenig akkurat gesagt, ist ihre Religion eine Mischung aus Ahnenkult und mythischen Geschöpfen. Diese Wesen, meistens Tiere, wandelten ganz früher auf der Erde und die Form der Landschaft hängt eng mit ihnen zusammen. Jeder Mensch hat ein bestimmtes Totem-Tier, zu dem er ein besonderes Verhältnis hat. Jeder Clan hat bestimmte wichtige heilige Stätten und ein grundlegender Teil des Lebens, der Religion bestand darin, sich innerhalb dieser Landschaft zu bewegen.

Dass es den Aborigines schlecht ging, sobald sie mit weißen Siedlern in Kontakt kamen, ist bekannt, ebenso dass sie ihr Land aufgeben mussten und gezwungen wurden, in Städten oder Reservaten zu leben. Eine Katastrophe natürlich für Menschen, denen das Land selbst so viel bedeutet, die sogar in der trockensten Wüste überleben konnten und für die das Wandern durch ihr Land Religionsausübung ist.

Ich wusste, dass ihre Kunst sehr abstrakt wirkt und so entschloss ich mich, die Ausstellung nicht auf eigene Faust anzusehen, sondern an einer der zahlreichen kostenlosen Führungen teilzunehmen, die regelmäßig stattfinden.

Das war auch eine kluge Entscheidung. Zwar hätte ich sicher auch so Spaß an der Ausstellung gehabt, aber ich wäre wahrscheinlich 20 Minuten von Bild zu Bild gegangen, hätte einige schön gefunden und länger betrachtet, aber besonders einprägsam wäre das Erlebnis eher nicht gewesen.

Remembering Forward, Museum Ludwig, Paddy Bedford
Paddy Bedford (ca. 1922-2007, Gija, Western Australia) Two Women Looking at the Bedford Downs Massacre Burning Place - 2002 - 180 x 150 cm - Ocker und Pigmente mit synthetischem Bindemittel auf Belgischer Leinwand / ochres and pigments with synthetic binder on Belgium linen - Privatsammlung / private collection - © Paddy Bedford Estate

So aber lernte ich, dass scheinbar abstrakte Malereien eine tiefe und erschreckende Bedeutung haben können. Z. B. das rechts abgebildete Gemälde von Paddy Bedford. Mich sprach es erst nicht besonders an. Wenn man jedoch weiß, dass das Bild eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1924 schildert, dann sieht das ganz anders aus. Zwei Zeuginnen, die sich auf einem Hügel versteckten, sahen mit an, wie Männer Bäume fällen mussten, dann vergiftet wurden und auf den gefällten Bäumen verbrannt wurden. Das Bild von Bedford stellt diese Szene von oben dar: am oberen Bildrand sind die beiden blauen Kreise die Frauen auf dem Hügel, die schwarzen Kreise unten stellen die gefällten Bäume dar und der große rote Kreis ist das Feuer. Solche grauenvollen Begebenheiten, die von den australischen Ureinwohnern oft über Jahrhunderte mündlich weitergegeben werden, sind oft Thema der Bilder.

Ein großer Teil der Malereien stellt Landschaften dar, meistens in der Aufsicht und darin z. B. Spuren der mythischen Wesen oder heilige Orte. Gerade bei den moderneren Werken weiß man aber oft nicht genau, was mit einem Bild gemeint ist, bzw. der Künstler verrät gerade einmal eine grobe Richtung.

Ausstellungsansicht Remembering Forward - Malerei der australischen Aborigines seit 1960 - Museum Ludwig Köl
Ausstellungsansicht Remembering Forward - Malerei der australischen Aborigines seit 1960 - Museum Ludwig Köln - Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln / Michael Albers

Mir haben besonders einige Bilder im hinteren Raum gefallen. Da sind die von Emily Kame Kngwarreye, die sehr ungewöhnliche Farben verwenden – ungewöhnlich für die ansonsten oft in Erdtönen gehaltenen Kunstwerke der Aborigines. Obwohl diese Bilder einen starken Bezug zum Land haben, hat die Künstlerin nicht mitgeteilt, was genau die Bedeutung ist. Das linke Bild auf dem Foto besteht aus lauter Punkten, die allerdings scheinbar nicht mit dem Pinsel aufgetragen wurden, sondern mit etwas gestempelt wurden, dabei wurden die Stempel teilweise aber einzeln bemalt, denn ihr Abdruck besteht aus mehreren Farben, so dass er manchmal wie eine Blume aussieht – ganz wunderschön.

Eine andere Malerin, Dorothy Napangardi, bezieht sich in ihrem Werk ebenfalls sehr auf ihre Heimat. Die ausgestellten Werke sind eigentlich „nur“ weiße Linien und Punkte auf schwarzer Leinwand, wirken manchmal wie das Glitzern von Licht auf dem Salzsee ihrer Heimat und manchmal wie dreidimensionales Sedimentgestein – sehr sehr kunstvoll. Mir haben sie erst auf den zweiten Blick richtig gefallen.

Im Kino des Museums werden ab Januar außerdem eine Reihe von Filmen gezeigt, die sich mit den australischen Aborigines beschäftigen.

Fazit: Sehr interessante Ausstellung, vor allem wenn man etwas Hintergrundwissen erwirbt.

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