Cabanel – Eine wunderbare Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum

Alexandre Cabanel, Geburt der Venus, 1863, Öl auf Leinwand, Musée d'Orsay, Paris
Alexandre Cabanel, Geburt der Venus, 1863, Öl auf Leinwand, Musée d'Orsay, Paris

„Cabanel By Christian Lacroix“ heißt die Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud mit vollem Namen. Und diese beiden Franzosen haben ganze Arbeit geleistet. Der Modemacher Lacroix setzte die Bilder seines Landsmannes auf großartige Weise in Szene. Ein Teppichboden, der wie ein altmodischer Fliesenspiegel aussieht, dämpft die Schritte der Besucher. Für jede Phase in Cabanels Leben schuf Lacroix einen eigenen Hintergrund: dezent stilisierte römische Architektur für die Zeit, die Cabanel als Stipendiat in der italienischen Hauptstadt verbrachte, Damen und Herren in der zeitgenössischen Mode zur Salon-Zeit in Paris, Blau mit einem zarten Tapetenmuster als Hintergrund für die Portraits und ein tiefes Rot für die „Schinken“ mit den Motiven aus Theaterstücken und Literatur. Weder die Farben noch die Muster lenken von den Bildern des Malers ab, im Gegenteil sie verstärken den Eindruck. Ich habe noch nie so eine schöne und passende Ausstellungsarchitektur gesehen. Kein Wunder – Lacroix hat seine Modefirma aufgegeben und arbeitet nun viel für das Theater; sowohl Kostüme als auch Bühnenbilder sind heute sein Metier.

Doch nun zum Maler selbst. Alexandre Cabanel wurde 1823 geboren und er begann früh zu malen und zwar so gut, dass er als Kind bereits gebeten wurde, Unterricht für seine Mitschüler zu geben. Mit 16 Jahren beginnt Cabanel sein Studium der Malerei an der Pariser Akademie und sechs Jahre später erhält er dort den Prix de Rome, ein Stipendium für einen fünfjährigen Aufenthalt in der Villa Medici. Wieder zurück wird er durch Ausstellungen im Pariser Salon, einer gesellschaftlichen Institution, berühmt. Kaiser Napoleon III. lässt sich von ihm porträtieren und bald wird er zu einem gefragten Maler in Europa und den USA. Später widmet er sich in oft großformatigen Bildern vor allem Themen aus der Geschichte und dem Theater. Nach seinem Tod wird er bald vergessen – zu viel Aufmerksamkein wird seinen impressionistischen Kollegen geschenkt. Cabanel war Zeit seines Lebens ein Verfechter eines traditionelleren Kunstverständnisses.

Alexandre Cabanel, Bildnis von Baronin Paul von Derwies, 1871, Öl auf Leinwand, Musée d'Art et d'Histoire, Palais Masséna, Nizza
Alexandre Cabanel, Bildnis von Baronin Paul von Derwies, 1871, Öl auf Leinwand, Musée d'Art et d'Histoire, Palais Masséna, Nizza

Wer diese Ausstellung genießen möchte, darf keine Angst vor Farben, Prunk und opulenten Bilder haben. Vielleicht erscheinen uns diese Gemälde heute kitschig, aber gleichzeitig ist hier ein ganz großer Maler am Werk, der Menschen, ihre Mimik, ihren Körper und nicht zuletzt ihre Kleidung auf ganz einzigartige Weise darzustellen vermag.

Ich selbst habe eigentlich mehr die moderne Malerei schätzen gelernt und langweile mich manchmal bei den älteren Werken. Cabanel hat mich in dieser Ausstellung aber vom ersten Moment an gefangen genommen. Für mich gibt es niemanden, der Menschen schöner darstellt und dessen Farben so leuchten – auch noch nach rund 150 Jahren.

Selbst Motive, die mir sonst eher ein Gähnen entlocken, wie etwa die Venus sind bei Cabanel einfach so bezaubernd, dass ich staunend davor stehen geblieben bin. Die Liebesgöttin liegt auf einer Meereswelle, ihr Haar um sie herum ausgebreitet, über ihr schweben einige Putten-Engelchen – eigentlich ein fast unerträgliches Thema. Und doch ist der Körper der Frau so schön, dass ein Strahlen von dem Bild ausgeht – einerseits von der weißen Haut, andererseits vom unglaublich blauen Meer – Abbildungen dieses Werkes geben diese Ausstrahlung leider nicht wieder.

Immer wieder habe ich mir das „Bildnis von Baronin Paul von Derwies“ angsehen. Die Frau selbst ist eigentlich nicht hübsch, sondern wirkt eher müde, was nach stundenlangem Modell-Stehen sicher der Realität entspricht. Und doch habe ich ihr immer wieder ins Gesicht gesehen, es wirkt so mild und fast verklärt. Ihre Haare mit der schlichten Flechtfrisur, glänzen und besitzen einen wunderschönen mahagonifarbenen Schimmer. Das Highlight des Bildes aber ist der Spitzenüberwurf ihres Kleides. Jedes winzige Detail hat Cabanel dargestellt, auch der Glanz des Stoffes, natürlich ohne dabei fotorealistisch zu malen. Ich wage zu behaupten, dass das Original-Gewand wahrscheinlich nicht so eine Leuchtkraft besaß und die Spitze weniger brilliant und federleicht wirkte. Zumindest ist das der Fall bei einem Kleid, dass zusätzlich zum Gemälde ausgestellt wird. Vermutlich ist der Stoff stark verblasst, aber sicher hat Cabanel seinem Modell mit allen Details auch dieses Leuchten verliehen wie auf vielen seiner Bilder.

Die Ausstellung zeigt immer wieder auch Studien, die der Maler von einzelnen Personen anfertigte. Daran kann der Zuschauer sehen, dass Cabanel viel Zeit darauf verwandt hat, die Emotionen durch den Gesichtsausdruck darzustellen. Starrt Desdemona Othella auf einer Studie noch romantisch verklärt an, ist ihr Mund auf dem endgültigen Bild leicht geöffnet und sie schaut so entrückt, dass sie fast ein bisschen blöd wirkt – das wirkt aber sehr viel überzeugender als in der Vorarbeit.

Eines meiner Lieblingsbilder ist „Phädra“. Das Spiel von Licht und Schatten auf ihrer Haut und dem schimmernden Stoff sind für mich unendlich faszinierend.

Was mich verwundert, ist, dass hier – ebenso wie bei anderen Gemälden – an manchen stellen der Untergrund durchschimmert, so ist das Tischchen mit der Karaffe ganz links vor dem roten Hintergrund deutlich heller als vor dem dunkleren Lila. Ob das wohl schon zu Cabanels Zeiten so war oder die dunkle Hintergrundfarbe mit den Jahrzehnten in den Vordergrund trat? Ähnliche Effekte gibt es auch bei dem Bild von Kleopatra.

Alexandre Cabanel, Phädra, 1880, Öl auf Leinwand, Musée Fabre, Montpellier
Alexandre Cabanel, Phädra, 1880, Öl auf Leinwand, Musée Fabre, Montpellier

Noch bis zum 15.05.2011 könnt Ihr diese wundervolle Ausstellung ansehen – ich werde sicher noch öfter vorbeischauen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr
Jeden Donnerstag Abendöffnung bis 21 Uhr (außer an Feiertagen), jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr (KölnTag). Montag geschlossen.
Eintrittspreis: Erwachsene: € 7,00 – ermäßigt € 4,00

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