Das Museum für angwandte Kunst und warum es mir nicht gefällt

Das Museum für angewandte Kunst in Köln

Ich gestehe: Ich war bis gestern noch nie drin, im Museum für angewandte Kunst. Dabei interessiert mich das Thema eigentlich.

Gestern also frühstückte ich erst, um auch Kraft genug für die Besichtigung zu haben und entdeckte dabei das Highlight des Museums: den Innenhof, der als Biergarten für das Kaffeehaus Holtmann’s dient. Hier kann man frühstücken, Kaffee und Kuchen bekommen oder zu Mittag oder Abend essen. Gestärkt mit einem Künstler-Frühstück brach ich zur Besichtigung auf.

Auf dem Weg zum Café durchquert man schon das riesige Foyer, das recht beeindruckend gestaltet ist. Hier dreht sich alles um Design, z. B. an der Riesenregalwand über mehrere Etagen, in der verschiedene Gegenstände wie Möbel präsentiert werden.

Im Moment wird renoviert und daher ist die obere Etage nicht oder nur teilweise zugänglich. Das war mir nur recht, da ich sowieso nicht gern stundenlang durch Museen laufe und daher nur einen Ausschnitt besichtigen wollte. In der ersten Etage befindet sich die reguläre Ausstellung mit Gegenständen vom Mittelalter bis zum Jugendstil. Ich bewegte mich rückwärts in der Zeit und erfreute mich erstmal am Jugendstil, der mich fasziniert: Einerseits gab es ganz gradlinige Strukturen, wie die kubischen Sessel, andererseits die oft verschnörkelten und geradezu kitschigen Designs.

Das Museum präsentiert eine große Auswahl von Gegenständen: Zimmereinrichtungen, verschiedene Glasgegenstände wie Vasen, Trinkgefäße und Schalen, Keramik, Bilder, Schmuck und vieles mehr. Während ich mich langsam von Raum zu Raum vorarbeitete, wurde ich immer unzufriedener. Das liegt nicht an den schönen und hochinteressanten Ausstellungsstücken, sondern an der Präsentation. Kleine Schildchen geben Auskunft über das Herstellungsdatum, die Herstellungsweise und das Material des Stücks. Bei der Herstellungsweise bin ich schon überfordert – wer kennt sich schon mit den verschiedenen Techniken bei der Herstellung von Glaswaren aus? Ich hätte diese also aufschreiben und nachrecherchieren müssen.

Bei einem Schrank mit vielen vielen kleinen Schubladen und Fächern hätte mich interessiert, was man wohl üblicherweise darin aufbewahrt hat. Ein anderer Schrank war mit wunderbaren Intarsien-Arbeiten versehen, deren Muster etwas an den Künstler Escher erinnerten – jedoch war der Schrank deutlich älter als der 1898 geborene Niederländer. Waren solche Muster damals üblich? Was stellten sie dar?

Ein kleiner Informationstext zu einer großen Auswahl von Ringen wies darauf hin, dass ein Ring ja verschiedene Bedeutungen haben kann; ein Liebespfand, einfacher Schmuck usw. Statt dann wenigstens an einigen Exemplaren darzustellen, welchen Zweck sie erfüllt hatten, wurden die Ringe jedoch wieder nur mit kurzer Materialkunde und Jahreszahl gezeigt.

Nach der Hälfte der Exponate ging ich dann nur noch flott durch die einzelnen Räume und sah mir in jedem ein oder zwei Teile an, die mir gefielen.

Ja, heute erwartet man von einem Museum einfach mehr als nur das Ausstellen irgendwelcher Dinge.

Danach war die Sonderausstellung „Unpolished“ über Junges Design aus Polen an der Reihe. Hätte ich nicht meine Museums-Jahreskarte und hätte die 3,50 Euro für das Ticket bezahlen müssen, ich hätte mich wirklich geärgert. Zum Einen waren es nur wenige Exponate, vielleicht 20, wenn man ganze Serien wie ein Set aus Schüsselchen als einzelnes Ausstellungsstück rechnet. Mir persönlich hat auch kaum ein Teil gefallen, bis auf die Spitzendeckchen aus Keramik vielleicht und drei der Lampen. Eventuell noch die Holzklammern mit eingearbeitetem USB-Stick. Alles andere war irgendwie recyclet oder in etwas ungewöhnlicher Form, wie die Gewürzbehälter, die wie Reagenzgläser aussehen, bei denen man das normalerweise abgerundete Ende ein bisschen unregelmäßig und spitz gestaltet hat. Das ist weder schön noch praktisch, nur irgendwie anders.

Zum Schluss drehte ich noch eine Runde durch die Design-Abteilung. Hier gefiel mir, dass sich den ganzen Raum entlang an der Wand eine Zeit-Linie zieht, in der zu jedem Jahr einige geschichtliche Fakten genannt werden und gelegentlich auch bestimmte Design-Informationen geliefert werden. Das hätte man jedoch auch noch deutlich konsequenter machen können. Hier war es nett, verschiedene Designs eines Gerätes nebeneinander zu sehen, z. B. etliche Radio-Apparate, Büro-Stühle usw.

Fazit: Das Museum ist sicher sehenswert und da ich nicht alles besichtigen konnte, kann ich auch kein abschließendes Urteil bilden. Aber die Sonderausstellung enttäuschte, ebenso wie die Präsentation der Objekte, zu denen der Besucher viel zu wenig Informationen erhält.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.