Der VRR, der große Grenzverkehr und Monatstickets der KVB

Die meisten von Euch wissen es: Ich bin Online-Redakteurin und schreibe über Köln, Reisen und Ausflugstipps (unter anderem). Also bin ich viel in Köln und drumherum unterwegs. Aber ich bin keine begeisterte Autofahrerin und auch das Zweirad lässt mich meistens kalt. Bleiben meine Füße und öffentliche Verkehrsmittel.

Nun, da es wieder wärmer wird, nahm ich mir vor, ein Zone-5-Monatsticket zu kaufen und Kölns Umgebung zu erforschen. Ich studierte die Webseiten der KVB und des VRS und stieß auf mehrere Unklarheiten bezüglich der Ziele, die dann für mich noch erreichbar wären oder eben nicht. Klar ist, mit einem Preisstufe-5-Ticket darf ich im ganzen VRS-Gebiet herum fahren, so viel ich will. Besondere Fragen werfen dabei das erweiterte VRS-Gebiet auf und der große Grenzverkehr zwischen VRS und VRR im Norden.

Broschüren, die rechte erklärt den großen Grenzverkehr zwischen VRS und VRR
Broschüren, die rechte erklärt den großen Grenzverkehr zwischen VRS und VRR

Der große Grenzverkehr wurde eingerichtet, da es sehr viele Pendler zwischen den beiden Verkehrsverbünden gibt, also zwischen Köln und Düsseldorf, Wuppertal und auch den kleineren Gemeinden wie Solingen und Neuss. Möchte man als Kölner dorthin fahren, muss man nur ein VRS-Ticket der entsprechenden Preisstufe lösen. Nach Düsseldorf Mitte ist das beispielsweise Preisstufe 5 oder nach Burscheid Preisstufe 3. Zurück nach Hause geht es ähnlich, denn an den VRR-Automaten kann man ebenfalls VRS-Tickets in diesen Preisstufen ziehen. Soweit so gut, das lässt sich auch in diversen Broschüren und online-Übersichten nachlesen. Schwierig wird es, wenn man bereits ein Ticket besitzt, das einen Teil des Gebietes abdeckt.

Ich war lange Zeit Abonnentin des Formel-9-Tickets 1b, das es mir erlaubte, ab 9 Uhr morgens das ganze Stadtgebiet Kölns zu befahren. Müsste ich dann nach Düsseldorf nicht nur ein Ticket der Preisstufe 4 kaufen? In Düsseldorf angekommen, überkamen mich Zweifel und ich suchte einen Info-Schalter der VRR auf. Der Herr dort hatte eigentlich auch keine Ahnung, wälzte diverse Broschüren und meinte schließlich, er sähe das genau so wie ich, es könne ja eigentlich nicht anders sein. Trotzdem bin ich immer unsicher geblieben, denn den Preistarifen mit Logik beikommen? Das scheint mir doch etwas optimistisch.

Mein Monatsticket für das ganze erweiterte VRS-Gebiet
Mein Monatsticket für das ganze erweiterte VRS-Gebiet

Aber zurück zu meinem Monatsticket. Ich kaufte es am Automaten, für immerhin 115,10 €, wieder die Formel-9-Variante, weil ich sowieso selten vor 9 Uhr fahren will und man so fast die Hälfte spart. Mein Schreck war groß, als nur ein ganz kleines Zettelchen herauskam, tatsächlich eine Monatsmarke, in die man aber seine Ausweisnummer eintragen sollte. Also flugs zur nächsten KVB-Verkaufsstelle aufgebrochen und nachgefragt. „Wo wollen Sie denn fahren?“ erkundigte sich die KVB-Mitarbeiterin. „Im ganzen Gebiet“, antwortete ich etwas ungenau. Ich erhielt einen kleinen Ausweis, da hinein wurde „VRS-Gebiet“ gestempelt und zum Abschied meinte die Frau noch: „Damit können sie aber nicht Düsseldorf, Neuss und Wuppertal.“

Aha. Erstmal nahm ich das so hin, aber ich konnte es nicht recht verstehen. Wenn man in der Fahrplansuche eine Verbindung von Köln nach Düsseldorf sucht, wird angezeigt, dass man ein Ticket der Preisstufe 5 braucht. Und meine Monatskarte war doch Preisstufe 5!

Verschiedene Übersichten über Zonen und Tarife in den Broschüren
Verschiedene Übersichten über Zonen und Tarife in den Broschüren

Also am nächsten Tag nochmal ein KVB-Büro besucht, diesmal am Ehrenfeldgürtel. Die Mitarbeiterin nahm sich viel Zeit und erklärte: Wenn ich ein Ticket der Preisstufe 5 kaufe, dann kann ich damit entweder am großen Grenzverkehr teilnehmen oder aber das erweiterte VRS-Gebiet befahren, dass im Süden immerhin bis Gerolstein im Westen und Neuwied im Osten reicht. Bei einem Einzelticket nutze ich ja sowieso nur eines. Bei einem Monatsticket bekomme ich entweder einen Ausweis für das erweiterte VRS-Gebiet oder für eine Strecke, die den großen Grenzverkehr nutzt. Da darf ich dann z. B. von Köln nach Düsseldorf fahren und auch jeweils eine Zone um Köln herum nutzen, aber nicht nach Wuppertal oder nach Bonn. Und damit ich mir nicht einfach zwei Ausweise besorge und die Monatsmarke mal in den für das VRS-Gebiet und mal in den für den Grenzverkehr nach Wuppertal stecke, muss ich in die Monatsmarke die Nummer des Ausweises eintragen.

Das finde ich ja soweit ok, auch wenn es ärgerlich ist, dass das zumindest online nirgendwo steht. Was mich aber wurmt, ist, dass ich trotzdem relativ viel zuzahlen muss, wenn ich nach Wuppertal oder Düsseldorf möchte. Nämlich ein Ticket der Preisstufe 3. Dabei gilt mein Ticket in der Zone Köln und Dormagen (Dormagen gehört zum erweiterten VRS-Gebiet). Fahre ich nach Düsseldorf Süd ist das die dritte Zone. Für mein Verständnis würde ich also nur ein Ticket für eine Zone brauchen, nämlich Düsseldorf Süd. Dormagen wird mir aber trotzdem berechnet, obwohl dort doch noch mein Ticket gilt. Das ist schon sehr ärgerlich und nicht nachvollziehbar. Eine Lösung müsste es sein, nicht vor Antritt der Fahrt den entsprechenden Fahrschein zu ziehen, sondern kurz vor Überschreiten der Grenze einfach ein Handy-Ticket des VRR zu bestellen und dann natürlich nur der benötigten Zone(n).

Übrigens fand ich es in London sehr erfrischend, dass man dort die Bürger (und Touristen) darauf drängt, den möglichst günstigen Tarif zu bekommen. Mit dem elektronischen Ticket Oystercard, das man mit beliebigen Geldbeträgen und Tages- oder Wochenfahrscheinen aufladen kann, wird automatisch der preiswerteste Tarif ermittelt. So spart man fast immer um die 50 % gegenüber eines regulären Einzeltickets. Sowas würde ich mir für Köln auch wünschen!

Be Sociable, Share!

6 thoughts on “Der VRR, der große Grenzverkehr und Monatstickets der KVB

  1. Hallo,
    ich habe ein Job-Ticket des VRS und schlage mich auch immer wieder mit Fahrten nach Düsseldorf rum. Ich kaufe aber immer Anschlusstickets am Automaten der Bahn. Da braucht man dann Tickets von Langenfeld bis Düsseldorf udn die Kosten nur 2,80 je Richtung.

  2. Ähnliches Problem im Süden:
    Wenn man ein Semesterticket der Hochschulen im VRS-Gebiet hat, dann ist dieses als NRW- und als VRS-Ticket gültig. Man kommt also über die Landesgrenze hinaus durch die Eifel nach Gerolstein oder rechtsrheinisch nach Neuwied.
    Der LK Ahrweiler gehört dagegen nur zum „erweiterten“ VRS-Gebiet und das Ticket ist dort nur für Studenten mit Wohnsitz in diesem Landkreis gültig. Linksrheinisch ist also leider schon Endstation in Bonn-Mehlem, da wird hoffentlich noch nachgebessert.

  3. Danke für den hilfreichen Beitrag! Ich habe ebenfalls diese Broschüre durchgeblättert und dachte, es sei möglich, mit dem Formel9-Ticket der Preisstufe 5 nach Düsseldorf zu fahren, sofern man seine Fahrt in Köln antritt. Dort steht ja nirgends, dass man sich entscheiden muss!
    Ärgerlich wird es, wenn man eine Haltestelle hinter dem weißen Bereich wohnt, dann zahlt man 2,40 für 2 Minuten Bahnfahrt drauf… werd wohl vermutlich demnächst den Drahtesel bemühen müssen.
    Wie macht man das eigentlich mit den Anschluss-Tickets, hab ich mich dann gefragt, denn ein vrr-A-Ticket ist ja nach 30min abgelaufen, die Fahrt bis in den vrr hinein dauert aber länger. Soll man dann zwischendurch raus sprinten, um sein Anschlussticket zu entwerten? Das war tatsächlich die einzige Frage, welche dieser Flyer beantwortet hat: Das geht bereits vor Fahrtantritt am Startort. Aber du hast recht, ansonsten wirft er mehr Fragen auf, als er beantwortet.
    Ich habe just vor 10 Minuten eine Mail an den vrs geschickt, mit eben dieser Frage, die du mir hiermit beantwortet hast. Falls sich da anders geäußert wird, kann ich mich ja noch mal melden. Aber ich befürchte, wir werden für Reisen nach Düsseldorf oder Mönchengladbach auch weiterhin ordentlich drauf zahlen dürfen. :/

  4. Ich hab tatsächlich etwas zu deinem Dormagen-Problem gefunden: „Haltestellen, die auf Tarifgebietsgrenzen liegen, werden bei der Tarifierung immer dem Tarifgebiet zugeordnet, in das der Fahrgast fahren möchte.“

    Gefällt mir auch nicht.

  5. Hallo

    Danke für den Beitrag.

    Ich hätte eine Frage

    Ich wohne in Brühl (Rhein-Erft-Kreis) und habe eine Arbeitsstelle in Düsseldorf Flughafen. Er halte ich einen VRS Jobticket und darf bis Düsseldorf fahren (großer Grenzverkehr). Was für Möglichkeiten gibt es in meinem Fall?

  6. Hallo Kai, am besten gehst Du mal in eine Dienststelle der jeweiligen Verkehrsbetriebe, entweder in Brühl oder Düsseldorf und lässt Dich beraten. Ich bin leider keine Fachfrau für dieses Thema und Deine Frage ist ja auch sehr allgemein gestellt…
    Viele Grüße,
    Petra

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *