Landschaftspark Belvedere zwischen Ehrenfeld, Vogelsang, Widdersdorf und Müngersdorf

Vorab: Der Landschaftspark Belvedere ist kein Park im eigentlichen Sinne. Es ist ein zum großen Teil landwirtschaftlich genutztes Gebiet und so soll es auch bleiben. Trotzdem soll es dem Bürger als Erholungsraum dienen. Zu diesem Zweck wurden 2011 auch zehn Hektar dieses Gebiets aufgeforstet. Außerdem wurde eine Art Rundweg angelegt, ein Schaugarten am Gut Vogelsang eingerichtet und einige Schilder aufgestellt. Von Aussichtspunkten aus soll man außerdem einen schönen Blick auf den gesamten Landschaftspark und große Teile Kölns haben.

Der hübsche alte Bahnhof Belvedere
Der hübsche alte Bahnhof Belvedere

So weit so gut. Aber bei einem Spaziergang in der Gegend konnte ich feststellen, dass diese Pläne alle sehr schön klingen, aber in der Praxis doch vielleicht nicht ganz so großartig umgesetzt sind.

Ich marschierte von Müngersdorf aus los und ging die Belvederestraße entlang, die dem Landschaftspark ihren Namen gibt. Die südliche Begrenzung ist die Eisenbahnlinie Köln-Aachen. Direkt danach trifft man auf den historischen Bahnhof Belvedere, ein schönes Gebäude, das derzeit saniert wird. Danach folgt ein kleines Wäldchen – hier fehlt ein Bürgersteig, was aber bei dem eher geringen Verkehrsaufkommen nicht so wichtig ist. Am Ende des Waldes führt ein Fußweg von der Straße weg Richtung Westen auf die letzten Ausläufer Müngersdorfs zu und ich denke „das ist bestimmt einer der Wege, die im Rahmen der Gestaltung des Parks angelegt wurden“. Das mag sein, allerdings führt der Weg letztlich nur in die Siedlung oder in einem spitzen Winkel zur Belvederestraße zurück.

Hier finde ich die ersten Info-Tafeln. Die erste gehört zur Regionale 2010, die sich für „die Sicherung und Entwicklung eines Kulturlandschaftsnetzwerks für die gesamte Region Köln/Bonn“ einsetzt.

Viel Text und eine verschwommene Karte
Viel Text und eine verschwommene Karte

Die zweite erklärt den Landschaftspark selbst. Sie weist auf das vorhandene Wegkreuz ‚Carl von Linné Weg‘ und ‚Auf der Aspel‘ hin und auf den ergänzend angelegten Rundweg, der sich in einen ‚Felderweg‘ im westlichen Park und einen ‚Waldweg‘ im Osten teilt. Es wird weiterhin erklärt, dass der Landwirt neben der üblichen agrarischen Nutzung eine vierte, blühstarke Frucht oder zusätzliche Zwischenfrüchte sähen soll, um das Patchwork der Felder abwechslungsreicher zu gestalten. Weiterhin wird auf die Blühstreifen hingewiesen, die die Landschaft attraktiver gestalten sollen und auf die vier als ‚Belvederes‘ bezeichneten Aussichtspunkte auf dem Felderweg, die den Parkbesuchern (und natürlich auch den Besucherinnen!) „neue Perspektiven und Ausblicke auf Landschaft, Landwirtschaft und Stadtsilhouette“ ermöglichen sollen.

Ergänzt wird der Inhalt dieser Tafel durch eine hübsch verschwommene Karte in Grün-Tönen, auf der man in der Mitte das Gut Vogelsang und das Max Planck Institut für Pflanzenzüchtungsforschung erahnen kann. Manche Straßen sind mit einer Linie aus grünen Punkten markiert, manche Wege mit einer grünen Linie, aber eine erklärende Legende gibt es nicht.

Der Weg führt zu einer Kreuzung mit dem Gregor-Mendel-Ring, der stärker befahren ist. Die Ampel ist nicht eben Fußgänger- und Radfahrer-freundlich geschaltet, man wartet weit über eine Minute, wahrscheinlich sogar mehrere Minuten auf Grün. Richtung Westen blickt man über die Felder zur Abtei Brauweiler, aber auch an diesem Blick sieht man sich irgendwann satt.

Schließlich wird die Ampel doch grün und ich biege zielstrebig in den Schotterweg mit asphaltiertem Randstreifen für die Radfahrer ein. Das muss doch jetzt der Rundweg sein?! Er führt ziemlich genau nach Nordwesten. Eine Beschilderung gibt es nicht. Da er immer mindestens auf einer Seite von einer Baumpflanzung begleitet wird (sinnvoll, weil hier sicherlich viele Tiere und Pflanzen Schutz und Lebensraum finden), ist der Überblick eher mager. Ich gehe auf das Gelände des Max-Planck-Instituts zu. Hier befindet sich am Egelspfad eine Kreuzung. Mein Weg wendet sich jetzt ziemlich direkt nach Westen, direkt auf die Autobahn zu. Der Egelspfad führt wieder zurück in die Richtung, aus der ich gekommen bin und auf der anderen Seite zum Institut und ist dort nach wenigen Metern durch ein Tor verschlossen. Auf diesem Wegstückchen befindet sich ein Schild mit der Aufschrift „Blühstreifen“, eine Blume ist jedoch weit und breit nicht zu entdecken. Da ich keine Lust habe, zur Autobahn zu spazieren, kehre ich um, und nehme nach einigen Metern einen Weg noch Nordosten, der mich am Institut vorbei wieder zur Belvederestraße zurückführt.

Das war übrigens mein Fehler, denn damit habe ich die tollen Belvederes (die Aussichtspunkte) verpasst, die mir großartige Perspektiven und Aussichtspunkte verschafft hätten!

Stattdessen bewunderte ich den Schaugarten beim Gut Vogelsang von außen (er ist nämlich nicht immer für das Publikum geöffnet) und ging dann weiter die Belvederestraße entlang, die nach der Kreuzung mit dem Carl-von-Linné-Weg sogar mit einigen kleinen Wohnhäusern bebaut ist. Danach ändert sich der Straßenname zu Vogelsanger Weg. Der wird schließlich recht waldig und ich bog rechts ab und erreichte damit den östlichen Teil des Rundwegs, der ‚Waldweg‘ genannt wird.

Der Waldweg verläuft parallel zur Militärringstraße
Der Waldweg verläuft parallel zur Militärringstraße

Er verläuft parallel zum Militärring und ist erst auf beiden Seiten von Wäldchen umgeben, später lässt er nach Osten den Blick auf das Gut Vogelsang und die Felder frei.

Als ich wieder am Carl-von-Linné-Weg ankom, bog ich links, Richtung Osten und Vogelsang ab, überquerte an der Fußgängerampel den Militärring und fuhr von Vogelsang aus wieder heim.

Obwohl ich in großen Teilen der Belvederestraße gefolgt war und nicht dem Rundweg, war das bei strahlendem Wetter am 1. Oktober 2012 ein sehr schöner Spaziergang. Müngersdorf selbst, der Blick auf Brauweiler, die Felder, die Alleebäume an der Belvederestraße, das alte Gut, der Waldbestand, das alles macht den Landschaftspark Belvedere zu einem attraktiven Gebiet.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass der Rundweg und vor allem die Richtung zu den Aussichtspunkten ausgeschildert wären. Wer die Info-Schilder nämlich nur überfliegt (und sie sind recht textlastig), verpasst leicht die Informationen (zumal der Plan wirklich nicht lesbar ist). Mir war zum Beispiel nicht klar geworden, dass es nur im Westen Aussichtspunkte gibt.

Dass die Blühstreifen nicht beblüht wurden, mag an der Jahreszeit gelegen haben – auch wenn es genügend Blühpflanzen gibt, die Anfang Oktober noch fleißig sind. Das gleiche gilt für die interessante Bepflanzung der Felder – die waren größtenteils schon abgeerntet. Weiterhin fände ich einen durchgängigen Fußgänger- und Radweg am Rand der namensgebenden Belvederestraße sinnvoll, schließlich benutzt man sie und den Carl-von-Linné-Weg, um den Rundweg abzukürzen, oder um von Lövenich und Widdersdorf nach Vogelsang zu gelangen oder von Müngersdorf nach Ehrenfeld.

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One Reply to “Landschaftspark Belvedere zwischen Ehrenfeld, Vogelsang, Widdersdorf und Müngersdorf”

  1. seit gestern gibt es an der Gründungseiche einen Flyerkasten mit dem 4-Türme-Flyer des Bürgervereins Köln Müngersdorf.
    Schade finde ich, dass die Freiluga neben dem Bahnhof nicht miterwähnt wird, denn dort gibt es seit 90 Jahren Umweltbildung, von Konrad Adenauer eingerichtet, das Gelände ist von Fritz Encke geplant.
    Angelika Burauen
    Vorsitzende des Fördervereins Freiluga e.V. und Gründungsmitglied des LPB

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