Das Rolltreppendebakel in Köln Kalk

Gestern (28.11.2013) berichtete die WDR Lokalzeit Köln darüber, dass alle Außen-Rolltreppen der U-Bahn-Station Kalk Post defekt sind. Alle Besucher, die also das Einkaufszentrum Köln Arcaden sowie weitere Geschäfte im Zentrum des Stadtteils besuchen möchten, müssen die Treppen benutzen. Das ist natürlich gerade für Menschen mit Rollatoren und Kinderwagen ein großes Problem. Rollstuhlfahrer und andere Schwerbehinderte können die Station sowieso nicht benutzen, da es auch keinen Aufzug gibt. Da die Rolltreppen, die bereits seit Mitte dieses Jahres (2013) still stehen, erst im kommenden Sommer (2014) repariert werden können, wolle man jetzt Mitarbeiter eines Wachdienstes einsetzen, die den Passanten beim Tragen von Gepäck, Kinderwagen, Rollatoren usw. helfen sollen. Bei Befragungen äußerten sich die Passanten meistens kritisch – es sollen doch lieber die Rolltreppen repariert werden.

So der Tenor des TV-Berichts der Lokalzeit. Ich war einigermaßen fassungslos und fragte mich natürlich, warum denn die Rolltreppen nicht früher repariert werden – hier eine Kritik an die Lokalzeit, diese Info fehlt einfach in der Reportage! Zum Glück haben sich Kölner Zeitungen schon im September mit diesem Thema beschäftigt.

Alle Rolltreppen, die von der U-Bahn zu einem der größten Einkaufszentrum Kölns führen, sind seit Monaten kaputt
Alle Rolltreppen, die von der U-Bahn zu einem der größten Einkaufszentrum Kölns führen, sind seit Monaten kaputt

Hier der Hergang: Ende Mai oder Anfang Juni prüfte der TÜV die Rolltreppen und ließ sie wegen schwerer Rostschäden sofort stilllegen. Es war nicht möglich, sie vorübergehend zu reparieren oder gar in Betrieb zu lassen. Die ebenso alten Rolltreppen im Innenbereich hatten nicht so stark gelitten und funktionieren deshalb noch. Da sie mit 30 Jahren ihre maximale Lebensdauer erreicht haben, sollen jedoch auch sie ausgewechselt werden.

Am 13.09.2013 berichtet die Rundschau, die Verwaltung wolle jetzt eine Dringlichkeitsentscheidung herbeiführen und am Montag, den 16.09. solle der Hauptausschuss die Erneuerung von insgesamt sieben Fahrtreppenanlagen in den Haltestellen Kalk Post und Kalk Kapelle beschließen. Alle Treppen zusammen sollen mit Einbau 2,5 Millionen Euro kosten.

Am 18.09. berichtet der Stadtanzeiger, der Stadtrat habe der Dringlichkeitsentscheidung zugestimmt. Die städtische Gebäudewirtschaft kümmere sich bereits um die Ausschreibungen und gleichzeitig liefe ein Antrag auf Fördermittel des Landes. Das anschließende Vergabeverfahren dauert erfahrungsgemäß noch einmal drei Monate.

„Um die Beeinträchtigung für die Bürger etwas zu mildern“ soll dann die beauftragte Firma direkt nach der Vergabe mit den Arbeiten an der Rolltreppe beginnen. Allerdings werden solche Rolltreppen maßgefertigt und deswegen rechnen Herstellerfirmen mit einer Produktionszeit von fünf Monaten und einer Einbauzeit von vier Wochen. Sobald die erste Rolltreppe funktioniert, soll mit der Produktion der zweiten begonnen werden. Im Sommer 2014 (!) sei dann die erste Treppe eingebaut. Mit dem Bau bzw. der Fertigstellung des Einbaus eines Aufzuges ist erst 2015 zu rechnen.

Am 18.09. schrieb der Stadtanzeiger auch, die Verwaltung prüfe seit drei Monaten die Möglichkeit, Hilfskräfte zu engagieren. Heute, am 29.11.2013 ist es dann so weit, heute sollen uniformierte Männer eines Wachdienstes von 9 bis 20 Uhr beim Tragen helfen. Die Kosten von 27.000 Euro teilen sich die Stadt Köln und das Einkaufszentrum.

Mir fällt dazu auf: Wann immer ich Rolltreppen sehe, die außer Betrieb sind, dann ist es bei der KVB. In Kaufhäusern oder bei Ikea funktionieren Rolltreppen immer. Mir ist ganz dunkel in Erinnerung, dass ich vielleicht einmal eine Reparatur in einem Kaufhaus gesehen habe. Dabei wäre es dort kein Problem, wenn eine Treppe ausfiele, denn erstens gibt es auf jeder Etage mehrere Rolltreppen in jeder Richtung und zweitens stehen ja auch noch Aufzüge zur Verfügung. Ich verstehe, dass Rolltreppen im Außenbereich schneller kaputt gehen, aber auch im Innenbereich sind KVB-Rolltreppen sehr oft außer Betrieb. Zum Beispiel gerade jetzt seit mindestens zwei Wochen an der Linie 13 – hier kommt man mit der Rolltreppe nicht mehr hinunter, wenn man an der Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Richtung Mülheim aussteigt (ich glaube sogar, in der anderen Richtung funktioniert sie auch nicht). Aber bald wird ja hoffentlich der neue Aufzug in Betrieb gehen.

Auch Aufzüge, die außer Betrieb sind, erlebe ich hauptsächlich bei der KVB und der DB – und das wochenlang.

Mir will es auch nicht in den Kopf, dass solche Rolltreppen Maßanfertigungen sind. Oder dass man Treppen, die sowieso an die Grenze ihrer maximalen Lebensdauer kommen, nicht einfach austauscht und die neuen – je nach Lieferzeit – ein bis zwei Jahre vorher bestellt. Oder dass von der Stilllegung einer Rolltreppe, vor allem an so einer kritischen Stelle, bis zur Bestellung einer neuen ein dreiviertel Jahr oder mehr vergeht, wenn schon eine Dringlichkeitsentscheidung genehmigt wurde. Oder dass es von der Stilllegung bis zur Dringlichkeitsentscheidung überhaupt drei Monate dauert. Ich verstehe auch nicht, dass die bestellten sieben Rolltreppen nicht gleichzeitig produziert und am besten sogar gleichzeitig eingebaut werden können. Ich könnte mir auch vorstellen, dass bauliche Veränderungen an der Architektur der Treppen weitaus kostengünstiger wären, wenn man dann Standard-Rolltreppen benutzen könnte, die nicht maßangefertigt werden müssen. Ich weiß, ich bin kein Fachmann – aber, wie schon gesagt, woanders fallen die Rolltreppen doch auch nie oder nur ganz kurz aus! Wenn C & A, Ikea, Kaufhof, Karstadt und nicht zuletzt die Köln Arcaden das können, warum nicht die KVB? Ach und schließlich: Warum dauert es von der Prüfung an fünf Monate, bis man dann wenigstens „Treppenhelfer“ engagiert, die den Menschen beim Bewältigen der Treppen helfen?

Mehr Lesestoff zum Thema:
http://www.ksta.de/kalk/-u-bahn-haltestelle-neue-rolltreppe-ist-in-planung,15187508,24360000.html
http://www.ksta.de/kalk/baumaengel-kalker-veraergert-ueber-umwege,15187508,23897254.html
http://www.rundschau-online.de/koeln/tuev-rolltreppen-in-kalk-kosten2-5-millionen,15185496,24309946.html
http://www.ksta.de/kalk/kalker-u-bahn-stationen-treppenhelfer-statt-rolltreppe-,15187508,24466990.html
http://www1.wdr.de/studio/koeln/nrwinfos/nachrichten/studios17670.html

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