Leiko Ikemura Ausstellung im Museum für ostasiatische Kunst

ikemura-ausstellung-2015-12-03 11.15.49Noch bis zum 28.02.2016 könnt Ihr im Museum für ostasiatische Kunst die Ausstellung „All about Girls and Tigers“ der Künstlerin Leiko Ikemura sehen – sie wurde nämlich um einen Monat verlängert.

Ich empfehle Euch den Besuch des Museums wärmstens – Leiko Ikemura ist eine ausgesprochen vielseitige Künstlerin; von der über 3 Meter hohen Bronzeskulptur über viele Gemälde, die teilweise auch zu Filmen verarbeitet wurden und Fotografien bis zu einem Gedichtzyklus ist alles dabei.

Die Künstlerin, die als sehr junge Frau aus Japan auswanderte, in Spanien studierte und später in der Schweiz und Deutschland arbeitete und lebte, sieht sich eigentlich gar nicht in der asiatischen Tradition. Gemeinsam mit der Museumschefin Adele Schlombs wurden aber für diese Ausstellung nur Objekte ausgewählt, die zeigen, wie sehr Leiko Ikemura doch von der Kunst ihrer Heimat beeinflusst ist. Einige Gegenstände und Malereien aus dem Fundus des Museums wurden den Werken der Künstlerin gegenüber gestellt und zeigen Ähnlichkeiten auf.

Für mich als nicht-Kunstkennerin ist in einer Ausstellung immer wichtig, dass ich auch etwas entdecke, das ich „schön“ finden kann und davon gab es mehr als genug. Schon die Gemälde im ersten Ausstellungsraum gefielen mir gut in ihrer Mischung aus Abstraktion und chinesischer Landschaftsmalerei – ist das hier noch eine Mädchenfigur oder doch Teil der Landschaft? Oder beides?

Mein Highlight entdeckte ich im zweiten Raum – dort wurde die schon erwähnte über 3 Meter hohe Bronzeskulptur Usagi Kannon II gezeigt, deren Postkarte jetzt meinen Schreibtisch ziert.

ikemura-ausstellung-2016-postskarte

Es gibt mehrere Werke dieser Art und die Künstlerin schuf das erste nach der Katastrophe von Fukushima, um den Menschen nach Krieg und Katastrophen Trost zu spenden. Der offene Rock, der Meditation symbolisieren kann (man lässt die Leere in sich hinein, denkt an nichts), lädt in anderen Statuen (eine steht in St. Moritz an einem See) auch dazu ein, hineinzukrabbeln, innen erfährt man Schutz und es herrscht darin ein angenehmes Licht. Mehr erzählt die Künstlerin in diesem Video (auf englisch):  https://www.youtube.com/watch?v=pI-cC4Hp69Y

In Köln wird diese wunderschöne Statue mit dem geheimnisvollen Frauengesicht und den Hasenohren (Hasen gelten in Japan als Glücksbringer) in Kombination mit zwei weiteren Werken gezeigt. Hinter ihr läuft ein Film, der aussieht wie abstrakte Landschaften, die während einer Zugfahrt vorbeiziehen, später bewegt man sich auch am Wasser vorbei. Ikemura malt oft Bilder, die den Horizont (und ein bisschen mehr (Meer ;-) zum Motiv haben und die gefallen mir ausnahmslos sehr gut. Darüber ist ihre Stimme zu hören, die in japanischer Sprache einen Gedichtzyklus vorträgt, der in der Übersetzung und dem Original auch als Text ausliegt und mich so begeisterte, dass ich ihn komplett gelesen habe.

Ich will nicht auf jeden Ausstellungsraum eingehen, aber kurz noch ein paar Gedanken aufzählen:

  • Es gibt viele glasierte Keramik-Objekte, und diese Glasur hat einen herrlichen Glanz
  • Es gibt sehr originelle Geschöpfe als Keramiken
  • Ikemura malt oft nicht auf klassische Leinwand, sondern auf Jute, das eine gröbere Struktur hat – das führt zu einer ungewöhnlichen Optik
  • Die Kriegsbilder (und das Japan der Nachkriegszeit hat Ikemura nachhaltig beeinflusst) sind von großer Schönheit
  • Ich musste immer wieder die Bilder der liegenden, schlafenden Köpfe betrachten
  • Vergesst nicht, in den Innenhof des Museums zu schauen dort stehen auch noch Plastiken, ebenso wie rechts neben dem Eingang zur Ausstellung an der Stirnwand – gerade diese hat mir besonders gut gefallen (wieder Keramik).

Hier noch ein Link zu einem Video, Leiko Ikemura spricht (auf deutsch) über Raum, Farbe, Licht und anderes im Bezug auf ihre Malerei: https://www.youtube.com/watch?v=jPnGAyvk6go

Und hier die Ausstellungs-Seite, dort könnt Ihr Euch einige Werke ansehen und einen Eindruck von den Ausstellungsräumen gewinnen: http://www.museum-fuer-ostasiatische-kunst.de/pages/688.aspx?s=688

Da bei dieser Ausstellung die Sonderausstellung mindestens 90% der Ausstellungsfläche einnimmt, gibt es derzeit nur Tickets für diese gesamte Ausstellung, sie kosten € 9,50. Einige Ermäßigungen werden angeboten. Inhaber der Jahreskarte (ohne Sonderausstellungen) bezahlen € 3,50.

 

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