Diskussion um neue Schulen in Modulbauweise

Tatsächlich scheint es Streitigkeiten um den Bau diverser, dringend benötigter Schulen zu geben. Köln plant, sechs Schulen in Modulbauweise zu errichten, weil die benötigten Bauzeiten deutlich unter denen von regulären Gebäuden liegen und die Preise viel moderater sind. Das Schulamt hat dem Plan bereits zugestimmt und auch der Stadtrat wird vermutlich in einigen Wochen seine Einwilligung geben.

Schon wird Kritik laut. Der Schulbau in Köln hat eine lange Tradition, die für zum Teil außerordentliche architektonische und städtebauliche Qualität steht, so der Kölner Stadt-Anzeiger in seinem Artikel vom 9. März 2016. Und dann wird ein Mitglied des Bundes der Deutschen Architekten in Köln zitiert, das von einer „Bankrotterklärung der Gesellschaft“ spricht, wenn man nun „Container-Typenbauten“ einkauft. Im Kommentar-Artikel des Stadt-Anzeigers klingt das schon wesentlich milder, hier sieht der Autor ein, dass diese Schulen einfach dringend benötigt werden und sorgt sich hauptsächlich darum, ob auch ästethische Gesichtspunkte berücksichtigt werden, da etliche der geplanten Schulen mitten im jeweiligen Veedel liegen.

Hier die beiden Artikel:

http://www.ksta.de/koeln/kommentar-zu-systembau-schulen-das-aussehen-ist-nicht-egal-23691416

http://www.ksta.de/koeln/systembau-koeln-soll-schulen-von-der-stange-bekommen-23689496

 

Das Gelände des ehemaligen Nippes-Bades wartet seit Jahren auf die Bebauuung
Das Gelände des ehemaligen Nippes-Bades wartet seit Jahren auf die Bebauuung

Abgesehen davon, dass hier Modulbauweise und Container-Bauten in einen Topf geworfen werden, was einfach nicht korrekt ist – dazu später mehr – sieht man meiner Meinung nach einfach nicht die Gesamtsituation. Wir brauchen dringend Schulen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Bau städtischer Gebäude sich endlos in die Länge zieht und am Ende meistens doppelt so teuer ist, wie anfangs geplant. Deswegen eine Bauweise zu wählen, die schnell und kostengünstig ist, ist alternativlos. Sonst müssen wir 15 Jahre auf die Fertigstellung der Schulen warten und ob sie dann noch alle gebraucht werden, und an diesen Standorten, ist schlecht vorhersehbar.

Viele unserer Schulen sind in einem solch schlechten Zustand, dass sie eigentlich geschlossen werden müssten. Die Schüler des Barbara-von-Sell-Berufskollegs lernten jahrelang bei zugenagelten Fenstern, weil vorher einige Scheiben herausgefallen waren. Kabel und Rohre lagen offen. immerhin wird dort jetzt saniert. Das Drei-Königs-Gymnasium in Bilderstöckchen besteht derzeit gefühlt aus mehr Bauzäunen denn Wänden, weil öfter mal Steine aus der Fassade brechen. Die Liste weiterer Mängel ist groß. Kleinere Renovierungen wie Streichen übernehmen häufig die Eltern. Es ist angeblich einfach kein Geld da. In dieser Situation wollen wir Architektenwettberbe für neue Schulen ausrufen und Aufträge an teure Planungsbüros vergeben?

peter-ustinov-schule
Die Peter-Ustinov-Schule in Nippes mit hübschem, aber nicht atemberaubendem Neubau

Zudem wird der Eindruck erweckt, Köln bestehe bisher nur aus Schulen, die architektonisch so schön sind, dass eigentlich täglich Touristenströme anreisen müssten, um sie zu bewundern. In meiner Umgebung (Nippes) befinden sich etliche Schulen. Die Peter-Ustinov-Realschule, die kürzlich einen ganz hübschen Holzbau bekommen hat, besteht sonst aber nur aus ein paar mehrstöckigen Klötzen. Das Barbara-von-Sell-Berufskolleg ist ein Schulstandardbau, wie er im Buche steht, vermutlich aus den 1970er Jahren. Das Erich-Kästner-Gymnasium in Niehl ist ein ebensolcher schmuckloser Standardbau. Das Leonardo-Da-Vinci-Gymnasium sticht heraus, weil es sich in einem historischen Gebäude befindet, das zudem gerade jahrelang saniert wurde.

Ich selbst bin in den 1980er Jahren in einem Neubau zur Schule gegangen (Gymnasium Fühlinger Weg, heute Heinrich-Mann-Gymnasium). Die Wände bestanden innen aus rohem Beton. Jeder Trakt hatte im Treppenhaus andersfarbig gestrichene Türen, das war der besondere innenarchitektonische Clou. Viele Fenster ließen sich nicht öffnen, weil Säulen direkt davor standen. Das Pädagogische Zentrum, das als Teil des Pausenraums und Aula fungierte, musste irgendwann geschlossen werden, weil es sicherheitstechnisch gar nicht für so viele Menschen ausgerichtet war. Ich wüsste nicht, warum eine Schule in Modulbauweise schlechter sein sollte…

Natürlich gibt es diese Schulbauten aus den letzten Jahren, die Wettbewerbe gewannen. Die offene Ganztagsschule der Grundschule „Buschfeldstraße“ ist zweifellos ein sehenswerter Bau. Ich fände es schön, wenn wir es uns in Köln irgendwann wieder leisten könnten, solche tollen Gebäude in Auftrag zu geben. Im Jahre 2016 geht das einfach nicht.

Hier noch ein paar Infos zur Modul- versus Container-Bauweise.

Module sind vorproduzierte größere Bauteile, die dann vor Ort zusammengebaut werden. Da die Fertigung in großen Hallen erfolgt, ist man nur an der Baustelle selbst vom Wetter abhängig. Viele Arbeitsschritte können gleichzeitig nebeneinander erledigt werden, während sie bei herkömmlicher Bauweise nacheinander ausgeführt werden müssen. Die gesamte Bauweise ist deutlich kostengünstiger als das Setzen von Stein auf Stein. Da die Teile durchaus individuell angefertigt werden, kann das Ergebnis extrem unterschiedlich sein. Gebäude in Modulbauweise gewinnen auch mal Archtekturwettbewerbe.

Container dagegen haben meistens Standardgrößen und werden zu beliebig großen Bauten oder Dörfern zusammengesetzt. Auch wenn sie innen sehr individuell gestaltet sein können, sind sie von außen doch immer recht gleichförmig.

 

Be Sociable, Share!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *