Kölnisches Stadtmuseum – Vom Riesenfloß bis zur Ritterrüstung

*Räusper* Ich war letzte Woche zum ersten Mal im Stadtmuseum im Zeughaus. Ich lebe seit 1978 in Köln. Ja, ich schäme mich! Und dumm war es zudem – ich habe echt was verpasst. Leider konnte ich auch gar nicht alles nachholen, denn das Museum besitzt einen reichen Schatz an Zeugnissen der Kölner Geschichte und stellt davon immer nur einen winzigen Teil aus, mehr passt einfach nicht in das Gebäude. Auch die Dauerausstellung ist daher gar nicht so dauerhaft, sondern wechselt immer mal ihre Exponate.

stadtmuseum-2016-03-31 11.47.52Da so viele unterschiedliche Dinge ausgestellt werden, wirkt das Museum auf den ersten Blick wie ein unzusammenhängendes Sammelsurium. Das ist es aber nur teilweise – viele Bereiche sind sehr gut strukturiert und bieten einen guten Überblick über das jeweilige Thema. Besonders gut gefällt mir, dass viele Objekte zwar aus Köln stammen, aber beispielhaft für die komplett-deutsche oder europäische Geschichte sind. Daher dürfte das Museum auch für Besucher interessant sein, die keine großen Köln-Fans sind.

Ein ganz großes Kompliment mache ich den Texten zu den Ausstellungsstücken – sie sind so kurz, dass man sie ohne Ermüdung gut lesen kann und doch erstaunlich informativ. Zudem werden Audio-Guides in verschiedenen Sprachen angeboten – auch spezielle für Kinder – die habe ich aber vorerst nicht ausprobiert.

Im Erdgeschoss geht es besonders breit gefächert zu: vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit werden Objekte ausgestellt. Dabei sind zwei sehr unterschiedliche Autos, die in Köln produziert wurden, ein Auto aus dem Jahr 1901 (mit Kerzen in den Scheinwerfern!) und ein Ford Taunus 17 M aus den 1960er Jahren. Puppen aus dem Hänneschen-Theater fehlen ebenso wenig wie Kölsch-Gläser unterschiedlichsten Designs oder Gemälde Kölner Maler aus verschiedenen Epochen.

Sehr berührend fand ich die Ausstellungsstücke aus der Zeit des Nationalsozialismus. Darunter sind Wahlergebnisse aus Köln, eine Uniform der Hitlerjugend, ein Mutterverdienstkreuz einer Kölnerin, Tafeln über die „Rassenlehre“ und viele weitere Objekte – alles gut erklärt.

Der Eingang befindet sich auf der vom Appellhofplatz abgewandten Seite an der Zeughausstraße.
Der Eingang befindet sich auf der vom Appellhofplatz abgewandten Seite an der Zeughausstraße.

Es gibt viele Stadtpläne und Modelle von Köln zu verschiedenen Zeiten. Obwohl ich natürlich wusste, dass der Bau des Doms sehr lange gedauert hat, wurde mir erst in dieser Ausstellung bewusst, wie lange die Kölner mit dem halb fertigen Dom lebten und wie prägend das gewesen sein muss. Zur Erinnerung: Der Bau wurde am 15. August 1248 nach einem Plan des Dombaumeisters Gerhard von Rile begonnen und bis etwa 1530 fortgesetzt. Im 15. Jahrhundert war man schon nur noch mit sehr geringem Eifer bei der Sache. Erst 1842 fand die Grundsteinlegung des „zweiten Bauabschnitts“ statt und 1880 war der Dom dann endlich vollendet. Deswegen wurde jahrhundertelang Köln historisch korrekt mit dem halben Dom (mit einem Baukran auf der Spitze) dargestellt, nur der eine oder andere Künstler malte sich schon einmal aus, wie das Gotteshaus wohl fertig aussehen könne.

Weiterhin befinden sich im Erdgeschoss Ritterrüstungen, der riesige Kölsche Boor, in den man während des ersten Weltkriegs gegen eine Spende einen Nagel einschlagen konnte (auf diese Weise nahm man 1,5 Mio. Mark ein) und diverse Funde aus der Zeit des Mittelalters.

Die Treppe zum ersten Stock zieren verschiedene Portraits berühmter Kölner sowie ein Durchschnitt der Erdschichten unterhalb des Heumarktes, ungefähr vom Jahre 0 bis heute.

Oben wird die Lebenswelt der Menschen um das Jahr 1900 dargestellt, Portraits berühmter Kölner Familien zieren die Wände, einige Möbel zeigen, wie man früher lebte und man erhält einen Einblick in das jüdische Köln vor dem zweiten Weltkrieg. Der Künstler Wolfgang Stöcker, der an vielen Stellen Kölns Staub entnommen und teilweise mit Wachs zu kleinen Figuren verarbeitet hat, stellt seine Arbeiten in einem kleinen Bereich aus.

Ganz neu für mich war, dass man früher in den Niederlanden, aber auch der Kölner Umgebung nicht mehr genug Holz hatte und dass aus Gegenden wie dem Schwarzwald riesige Flöße aus den geschlagenen Baumstämmen gebaut wurden, die dann den Rhein hinunter trieben. Diese Gefährte waren bis zu 300 Meter lang und 30 Meter breit und mit Hütten versehen, in denen die 400 oder mehr Menschen lebten, die mit ihren Rudern dafür sorgten, dass das Floß sicher an seinem Ziel ankam. Das Modell eines solchen Floßes ist wirklich sehenswert.

Bei rund 5000 Ausstellungsstücken sollte es klar sein, dass ich hier nicht alles beschreiben kann und will. Aber vielleicht habe ich einige meiner Leser ja motivieren können, auch einmal dieses vielseitige Museum zu besuchen, das würde mich freuen!

Infos:
KÖLNISCHES STADTMUSEUM
Zeughausstraße 1–3
50667 Köln
Telefon: 0221/221-25789
http://www.museenkoeln.de/koelnisches-stadtmuseum
Öffnungszeiten: 10 bis 17 Uhr, Dienstag 10 bis 20 Uhr, KölnTag 10 bis 22 Uhr, Montag geschlossen
Preise: Ständige Sammlung: Eintritt € 5,00, ermäßigt € 3,00 (Studierende usw.)
Sonderausstellungen (Alte Wache): Eintritt € 5,00, ermäßigt € 3,00
Kombikarte (Sonderausstellungen und Ständige Sammlung): Eintritt € 7,50, ermäßigt € 5,00

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