Neue Sportplätze für den 1. FC am Grüngürtel?

Der 1. FC Köln braucht mehr Sportplätze. Unter anderem deswegen, weil heute selbst Kinder nicht mehr vor 16 oder 17 Uhr Zeit fürs Training haben, so dass alle Sportler gleichzeitig zwischen 16 und 21 Uhr trainieren müssen, oder am Wochenende. Schade eigentlich und sehr blöd.

Nun möchte der Club gerne weitere Sportplätze in der Nähe der vorhandenen errichten, das kann man verstehen. Leider muss dafür eine sehr große Wiese am Äußeren Grüngürtel weichen und das ruft Protest hervor. Mehrere hundert Anwohner sind unzufrieden, Naturschützer beklagen sich und viele Spaziergänger möchten nicht auf die herrliche Wiese verzichten.

Dazu kommt, dass viele Kölner sowieso mit Sorge verfolgen, wie überall von allen Grünanlagen etwas abgenapst wird. Am Klingelpützpark wurden 89 Bäume gefällt, weil dort ein Campus mit mehreren Bildungseinrichtungen gebaut wird. Ja, es soll nach Abschluss der Bauarbeiten wieder „aufgeforstet“ werden, aber erstmal sind sie weg, die schönen großen Bäume. Beim Johannes-Giesberts-Park in Nippes neben dem Clouth-Neubau-Gelände wird um jeden Meter gerungen. Erst sollten fünf Wege aus dem Gelände die Parkfläche durchschneiden, nun sind es nur noch zwei. Der Festplatz am Nippeser Tälchen sollte möglicherweise bebaut werden, was die Parkfläche zumindest optisch verkleinert hätte. Die Schrebergartenanlage im Nippeser Süden soll eventuell neuen Wohnungen weichen – auch dort wird gekämpft.

Ich verstehe das Problem: Köln wächst, man braucht neuen Wohnraum oder neue Sportplätze. Aber Köln ist auch deswegen so beliebt, weil es relativ grün ist. Wenn man hier einen Park ein wenig kleiner macht, macht man es bald auch beim nächsten. Klimaforscher bestätigen, wie wichtig grüne Schneisen für eine Stadt sind, und dass die Lebensqualität mit jedem Baum steigt, ist längst kein Geheimnis mehr.

 

Überblick über den bisherigen Sportpark des 1. FC
Überblick über den bisherigen Sportpark des 1. FC

Ich wollte mir vor Ort ein eigenes Bild machen und wanderte an einem Montag Mittag Richtung Decksteiner Weiher. Vom Sülzgürtel aus kann man im Grünen bis aus Köln heraus spazieren. Eine kleine Parkanlage entlang der Hollerather Straße führt bis zum Beethovenpark, der seinerseits nur durch den Militärring vom Äußeren Grüngürtel getrennt ist.

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Fußballplätze überall
Fußballplätze überall

Kaum hat man diese Hauptverkehrsader überquert, schaut man links durch das dichte Sommergrün auf die Rewe-roten Werbungen auf den Banden der Fußballplätze. Unter meinen Füßen keine Pfade mehr, sondern richtig angelegte Straßen. Das Fahrzeug, mit dem der Geißbock Hennes transportiert wird, steht am Wegesrand. Ganz klar – es ist zwar sehr grün, die Vögel zwitschern und ich bin von wunderbaren riesigen Bäumen umgeben, aber die reine Natur ist das hier nicht. Dazu kommt, dass fast mit jedem Schritt das Rauschen der A4 lauter wird, sie ist kaum einen halben Kilometer entfernt. Nachdem ich die Sportplätze links und das Franz-Kremer-Stadion rechts hinter mir gelassen habe, gehe ich am Geißbockheim mit großem Parkplatz vorbei, links befindet sich ein Wäldchen. Dann folgen zwei Fußballplätze, ein großer und ein kleiner und dann kommt endlich die erste freie Wiese.

Riesiger alter Baumbestand
Riesiger alter Baumbestand

Das Geißbockheim hinter zwei Sportplätzen
Das Geißbockheim hinter zwei Sportplätzen

Der Lärm der Autobahn ist jetzt wirklich sehr störend, es ist ein einziges Dröhnen, der Wind steht ungünstig. Ich gehe nach rechts, auf den Decksteiner Weiher zu. Auf der einen Seite beeindruckende Riesen-Platanen, auf der anderen die Sportplätze mit dem Geißbockheim dahinter. Immer noch kein wirkliches Natur-Erlebnis. Der Blick auf den Weiher ist aber sehr schön. Übrigens sind auch einem Montag Mittag mit mäßigem Wetter recht viele Spaziergänger, Hundebesitzer, Radfahrer und Jogger unterwegs. Am Wochenende ist hier richtig viel los.

Decksteiner Weiher
Decksteiner Weiher
Viele Waldflächen im Äußeren Grüngürtel
Viele Waldflächen im Äußeren Grüngürtel

Ich suche mir jetzt einen Weg durch das Wäldchen am Decksteiner Weiher, dahinter liegt die Wiese, auf der drei neue große Kunstrasen-Sportplätze und vier kleinere Plätze gebaut werden sollen. Ein Gebäude hier und zwei weitere auf dem bereits existierenden Gelände sind ebenfalls geplant.

Erstmal fällt mir auf, dass jetzt, wo zwei Waldstreifen den Lärm mindern, endlich etwas Ruhe auf dieser riesigen Wiese zu finden ist. Es sind ein paar Wege gemäht, aber größtenteils dürfen Gräser und Blumen so wachsen, wie sie wollen – das ist ein schöner Kontrast zu dem vielen Wald und dem künstlich angelegten Gewässer. Dass hier viele Tiere ein Zuhause finden, glaube ich gerne. Dass die Besitzer der Schrebergärten auf der anderen Seite des Militärrings keine Lust auf Flutlicht und Sportlärm haben, ebenfalls.

Blau: bereits bestehende Sportplätze, neongrün: geplante Baufläche für den 1. FC
Blau: bereits bestehende Sportplätze, neongrün: geplante Baufläche für den 1. FC, Kartenvorlage: OpenStreetMap

Der Grüngürtel war schon immer auch als Sportstätte vorgesehen, sagen Befürworter des Ausbaus. Jaja. Aber es gibt ja auch schon jede Menge Sportplätze entlang des Militärrings. Kurz hinter der Dürener Straße hat eine Tennis-Club seine Plätze. 150 Meter weiter befinden sich drei Fußballplätze, die alle oder teilweise dem SC Blau-Weiß 06 gehören. Dann folgt die Wiese, auf der der FC nun bauen möchte, danach die bereits vorhanden Anlagen des FC und dann – hier tatsächlich mit jeweils mehr Freifläche dazwischen – der Kölner Rugby-Park und der Fußballplatz des DJK Südwest 1920/27 e.V. Auf mehr als 3,5 Kilometern ein Sportplatz nach dem anderen. Konrad Adenauer und die anderen Helden des Äußeren Grüngürtels dachten auch eigentlich an Plätze für alle Bürger und nicht nur für die Mitglieder bestimmter Sportclubs.

Hier sollen drei große Sportplätze und vier kleine Bolzplätze sowie ein Gebäude entstehen
Hier sollen drei große Sportplätze und vier kleine Bolzplätze sowie ein Gebäude entstehen

Ja, sagt der 1. FC – es werden ja auch vier kleine Plätze gebaut, die allen offen stehen. Eingezäunt werden sollen sie aber alle und der FC will sie auch alle selbst nutzen. Mit anderen Worten kann man sie dann nutzen, wenn sie sonst sowieso leer stehen. So wie die anderen, gespenstig leeren Plätze, die ich mir an diesem Montag angesehen habe.  Nur – und da beißt sich die Katze in den Schwanz – hat ja zu anderen Zeiten kaum jemand die Möglichkeit, diese Plätze zu nutzen… Auf der Wiese, die jetzt geopfert werden soll, waren übrigens mehre Menschen mit ihren Hunden unterwegs.

Ich bin für den Erhalt dieser Wiese. Sie ist eine ganz andersartige Landschaft als die Wälder, Wiesen und Sportplätze drumherum. Der Grüngürtel besteht an seinem Nordteil sowieso zu großen Teilen aus Sportplätzen. Die Wiese ist zumindest an diesem Tag der einzige Ort in der Umgebung, an dem die Autobahn kaum zu hören ist. Schließlich behauptet der Bürgerverein Köln Müngersdorf, es gäbe an der Berrenrather Straße, ganz in der Nähe der bisherigen Sportstätten, geeignete Flächen, jedoch auf Hürther Stadtgebiet. Sollte das der Fall sein, verstehe ich nicht, wie man die bisherige Wiese überhaupt in Betracht ziehen kann.

Lieber Wiese als Sportplätze an dieser Stelle
Lieber Wiese als Sportplätze an dieser Stelle

Nein, es wäre keine Katastrophe, wenn der FC sich durchsetzt und ein Stück Grüngürtel geopfert wird. Wenn sich dann aber andere Sportclubs ebenfalls vergrößern wollen, was machen wir dann? Und wenn wir die Schrebergärten in Nippes einstampfen und noch ein paar Quadratmeter vom nächsten Park, dann wird es langsam zur echten Katastrophe.

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One Reply to “Neue Sportplätze für den 1. FC am Grüngürtel?”

  1. Die Stadt sollte wissen, was ihr ein erfolgreicher 1. FC Köln wert ist. Der Verein muss sein Gelände vergrößern, um optimale Trainingsbedingungen für Profis und Nachwuchs zu schaffen. Wenn die Stadt das nicht versteht, wird es Alternativen im Umland geben. Der Imageverlust für die Stadt Köln wäre größer als ein paar Grashalme.

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