Der VRR, der große Grenzverkehr und Monatstickets der KVB
Mittwoch, 11. April 2012 16:52
Die meisten von Euch wissen es: Ich bin Online-Redakteurin und schreibe über Köln, Reisen und Ausflugstipps (unter anderem). Also bin ich viel in Köln und drumherum unterwegs. Aber ich bin keine begeisterte Autofahrerin und auch das Zweirad lässt mich meistens kalt. Bleiben meine Füße und öffentliche Verkehrsmittel.
Nun, da es wieder wärmer wird, nahm ich mir vor, ein Zone-5-Monatsticket zu kaufen und Kölns Umgebung zu erforschen. Ich studierte die Webseiten der KVB und des VRS und stieß auf mehrere Unklarheiten bezüglich der Ziele, die dann für mich noch erreichbar wären oder eben nicht. Klar ist, mit einem Preisstufe-5-Ticket darf ich im ganzen VRS-Gebiet herum fahren, so viel ich will. Besondere Fragen werfen dabei das erweiterte VRS-Gebiet auf und der große Grenzverkehr zwischen VRS und VRR im Norden.
Der große Grenzverkehr wurde eingerichtet, da es sehr viele Pendler zwischen den beiden Verkehrsverbünden gibt, also zwischen Köln und Düsseldorf, Wuppertal und auch den kleineren Gemeinden wie Solingen und Neuss. Möchte man als Kölner dorthin fahren, muss man nur ein VRS-Ticket der entsprechenden Preisstufe lösen. Nach Düsseldorf Mitte ist das beispielsweise Preisstufe 5 oder nach Burscheid Preisstufe 3. Zurück nach Hause geht es ähnlich, denn an den VRR-Automaten kann man ebenfalls VRS-Tickets in diesen Preisstufen ziehen. Soweit so gut, das lässt sich auch in diversen Broschüren und online-Übersichten nachlesen. Schwierig wird es, wenn man bereits ein Ticket besitzt, das einen Teil des Gebietes abdeckt.
Ich war lange Zeit Abonnentin des Formel-9-Tickets 1b, das es mir erlaubte, ab 9 Uhr morgens das ganze Stadtgebiet Kölns zu befahren. Müsste ich dann nach Düsseldorf nicht nur ein Ticket der Preisstufe 4 kaufen? In Düsseldorf angekommen, überkamen mich Zweifel und ich suchte einen Info-Schalter der VRR auf. Der Herr dort hatte eigentlich auch keine Ahnung, wälzte diverse Broschüren und meinte schließlich, er sähe das genau so wie ich, es könne ja eigentlich nicht anders sein. Trotzdem bin ich immer unsicher geblieben, denn den Preistarifen mit Logik beikommen? Das scheint mir doch etwas optimistisch.
Aber zurück zu meinem Monatsticket. Ich kaufte es am Automaten, für immerhin 115,10 €, wieder die Formel-9-Variante, weil ich sowieso selten vor 9 Uhr fahren will und man so fast die Hälfte spart. Mein Schreck war groß, als nur ein ganz kleines Zettelchen herauskam, tatsächlich eine Monatsmarke, in die man aber seine Ausweisnummer eintragen sollte. Also flugs zur nächsten KVB-Verkaufsstelle aufgebrochen und nachgefragt. “Wo wollen Sie denn fahren?” erkundigte sich die KVB-Mitarbeiterin. “Im ganzen Gebiet”, antwortete ich etwas ungenau. Ich erhielt einen kleinen Ausweis, da hinein wurde “VRS-Gebiet” gestempelt und zum Abschied meinte die Frau noch: “Damit können sie aber nicht Düsseldorf, Neuss und Wuppertal.”
Aha. Erstmal nahm ich das so hin, aber ich konnte es nicht recht verstehen. Wenn man in der Fahrplansuche eine Verbindung von Köln nach Düsseldorf sucht, wird angezeigt, dass man ein Ticket der Preisstufe 5 braucht. Und meine Monatskarte war doch Preisstufe 5!
Also am nächsten Tag nochmal ein KVB-Büro besucht, diesmal am Ehrenfeldgürtel. Die Mitarbeiterin nahm sich viel Zeit und erklärte: Wenn ich ein Ticket der Preisstufe 5 kaufe, dann kann ich damit entweder am großen Grenzverkehr teilnehmen oder aber das erweiterte VRS-Gebiet befahren, dass im Süden immerhin bis Gerolstein im Westen und Neuwied im Osten reicht. Bei einem Einzelticket nutze ich ja sowieso nur eines. Bei einem Monatsticket bekomme ich entweder einen Ausweis für das erweiterte VRS-Gebiet oder für eine Strecke, die den großen Grenzverkehr nutzt. Da darf ich dann z. B. von Köln nach Düsseldorf fahren und auch jeweils eine Zone um Köln herum nutzen, aber nicht nach Wuppertal oder nach Bonn. Und damit ich mir nicht einfach zwei Ausweise besorge und die Monatsmarke mal in den für das VRS-Gebiet und mal in den für den Grenzverkehr nach Wuppertal stecke, muss ich in die Monatsmarke die Nummer des Ausweises eintragen.
Das finde ich ja soweit ok, auch wenn es ärgerlich ist, dass das zumindest online nirgendwo steht. Was mich aber wurmt, ist, dass ich trotzdem relativ viel zuzahlen muss, wenn ich nach Wuppertal oder Düsseldorf möchte. Nämlich ein Ticket der Preisstufe 3. Dabei gilt mein Ticket in der Zone Köln und Dormagen (Dormagen gehört zum erweiterten VRS-Gebiet). Fahre ich nach Düsseldorf Süd ist das die dritte Zone. Für mein Verständnis würde ich also nur ein Ticket für eine Zone brauchen, nämlich Düsseldorf Süd. Dormagen wird mir aber trotzdem berechnet, obwohl dort doch noch mein Ticket gilt. Das ist schon sehr ärgerlich und nicht nachvollziehbar. Eine Lösung müsste es sein, nicht vor Antritt der Fahrt den entsprechenden Fahrschein zu ziehen, sondern kurz vor Überschreiten der Grenze einfach ein Handy-Ticket des VRR zu bestellen und dann natürlich nur der benötigten Zone(n).
Übrigens fand ich es in London sehr erfrischend, dass man dort die Bürger (und Touristen) darauf drängt, den möglichst günstigen Tarif zu bekommen. Mit dem elektronischen Ticket Oystercard, das man mit beliebigen Geldbeträgen und Tages- oder Wochenfahrscheinen aufladen kann, wird automatisch der preiswerteste Tarif ermittelt. So spart man fast immer um die 50 % gegenüber eines regulären Einzeltickets. Sowas würde ich mir für Köln auch wünschen!
Thema: Ausflüge, Stadtteile | Kommentare (0) | Autor: Petra





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